Sonntag, 30. Januar 2011

William H. Chapman Nyaho und die Musik der afrikanischen Diaspora

William H. Chapman Nyaho
Piano Music of Africa and the African Diaspora
Band 1: Early Intermediate
Oxford University Press
ISBN 978-0-19-386822-9

Es scheint, als betrachte die klassische europäische Musikszene Afrika noch immer durch eine koloniale Brille: Als Kontinent, dessen Musik im Wesentlichen aus Stammestänzen oder Popmusik mit merkwürdigen Rhythmen besteht. „Afrikanische Klaviermusik“ hingegen scheint immer noch ein Widerspruch in sich zu sein – anders ist es wohl kaum zu erklären, dass die vorliegende Sammlung tatsächlich die erste ihrer Art ist.

Die vier Bände "Piano Music of Africa and the African Diaspora" schließen eine Lücke, die von vielen Musikern wahrscheinlich gar  nicht als eine solche empfunden wird: Klaviermusik von afrikanischen und afrikastämmigen Komponisten, die sich auch für den Einsatz im Klavierunterricht eignet. Keine groß angelegten Konzertwerke für Profis also, sondern kurze aber prägnante und vor allem – in musikalischer Hinsicht exzellente Klavierstücke  von einfachem und mittleren Schwierigkeitsgrad. Eigentlich als pädagogisches Werk angelegt, dürfte „Piano Music of Africa and the African Diaspora” jedoch nicht nur für Klavierlehrer und ihre Schüler von Interesse sein, sondern überhaupt für entdeckungsfreudige Musiker.

Die Auswahl in dieser Sammlung vertretenen Komponisten spiegelt die Mannigfaltigkeit afrikanischer Musik: die 1935 in New York geborene Jazzpianistin Valerie Capers, die mit einem Ausschnitt aus ihrem Triptychon Portraits in Jazz vertreten ist (dem Ragtime „Sweet Mister Jelly Roll“) trifft auf die ägyptische Sufi-Mystik von Halim El-Dabh, der bei Aaron Copland und Igor Stravinsky studierte, bevor er einer der bedeutendste Komponist Ägyptens wurde (wieder eine Bildungslücke…). Wir treffen auf nigerianische und ghanaische Komponisten wie Christian Onyeji oder Kwabana Nketia, die auf der Basis traditioneller Ritualmusik bemerkenswerte Miniaturen schaffen.

Die „African Sketches“ von Nkeiro Okoye aus Nigeria und die „Preludes in African Rhythm“ des Südafrikaners hätte man gerne vollständig gespielt: „Dusk“ und „Dancing Barefoot In The Rain“ aus Okoyes afrikanischem Skizzenbuch, wirken wie Ausschnitte aus afrikanischen „Kinderszenen“: Phantasievolle Rhythmen treffen auf eine ungewöhnliche Harmonisierung und berührende Melodik.

Beinahe der gesamte Inhalt dieser Sammlung besteht aus bislang unveröffentlichtem Material. Vielelicht gelingt es William H. Chapman Nyaho tatsächlich, mit „Piano Music of Africa and the African Diaspora” Interesse für eine bislang sträflich vernachlässigte Musik zu wecken. Zu wünschen wäre es ihm.







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