Montag, 12. August 2013

Wolfgang Amadé Mozart, Violinsonaten KV 454, 481, 526 und 547 | Variationen KV 359 und 360





„Ich habe hier nicht keine ruhige stund, ich kann nichts schreiben als nachts; mithin kann ich auch nicht früh aufstehen. Zu allen zeiten ist man auch nicht aufgelegt zum arbeiten. Hinschmieren könnte ich freylich den ganzen tag fort; aber so eine sach kommt in die welt hinaus, und da will ich halt, daß ich mich nicht schämen darf, wenn mein Namm drauf steht. Dann bin ich auc, wie sie wissen, gleich stuff wenn ich immer für ein instrument (das ich nicht leiden kan) schreiben soll. Mithin habe ich zu zeiten um abzuwechseln was anders gemacht, als Clavier duetti mit violin, und auch etwas an der Messe.“


Mozart an seinen Vater (Mannheim, 1778)



Dass Mozart mit Flötenmusik nicht allzu viel anfangen konnte, wissen wir nicht zuletzt aus dem eingangs zitierten Brief an seinen Vater, in dem er von einem Kompositionsauftrag für den niederländischen Ostindienkaufmann Ferdinand Dejean berichtet – Flötenkonzerte und –quartette. Lieber vertrieb er sich die Zeit damit, eine Reihe von Violinsonaten zu schreiben – eben jene sechs Sonaten KV 301-306, die bereits 2003 in der Edition Peters als Band 1 der praktischen Urtextausgabe erschienen sind. Schon damals schien der Spagat zwischen wissenschaftlichem Urtext-Anspruch und Praxistauglichkeit (Wendestellen, Übersichtlichkeit) geglückt.

In einem Kammermusik über Mozarts Violinsonaten zu schreiben, hieße wohl, Eulen nach Athen oder Mozartkugeln nach Salzburg zu tragen. Beschränken wir uns daher im Folgenden auf eine Betrachtung der bei Peters erschienenen Neuausgabe.
 
Cliff Eisens informatives Vorwort gibt nicht nur dem in Sachen Mozart möglicherweise noch wenig bewanderten Anfänger ein gehöriges Rüstzeug zur Einordnung der Musik für Violine und Klavier – oder manchmal auch: Klavier und Violine – und ihre stilsichere Interpretation mit auf den Weg, sie liefert auch Anregungen für die weitergehende Beschäftigung mit Mozarts Kammermusik. Der Kritische Bericht ist ebenfalls so ausführlich ausgefallen, wie man es von einer Urtext-Ausgabe erwarten kann.

Im Vergleich zu anderen Urtext-Veröffentlichungen fällt bei der Peters-Ausgabe zunächst das sehr gedrängt wirkende Notenbild auf: Hier wurde offensichtlich um jeden Millimeter gekämpft. Das Ergebnis ist ein Druck, der sich nicht ganz irritationsfrei vom Blatt spielen lässt, dafür aber ganze Halbsätze auf zwei gegenüberliegenden Doppelseiten unterbringt und in dem auch ansonsten jede Wendestelle genau kalkuliert erscheint – was wiederum vor allem Tonmeister und andere geräuschempfindliche Zuhörer freuen wird.

Cliff Eisens Edition versteht sich nicht als „Fassung letzter Hand“, sondern dokumentiert den Zustand eines Werkes im Augenblick der Niederschrift. Wir wissen, dass Mozart selbst oft nachträglich Hand anlegte und vor allem Verzierungen und Läufe gerne der spontanen Eingebung des Augenblicks überließ – um sie eventuell in einem späteren Arbeitsgang etwa dem Korrekturabzug einer für den Druck bestimmten Sonate hinzuzufügen. oft betreffen diese Änderungen nur wenige Noten, zuweilen aber auch ganze Takte. Ein möglicher Grund für die scheinbaren Widersprüchlichkeiten in den für Urtext-Ausgaben herangezogenen Quellen.

Die Edition Peters entscheidet sich hier für die Fassung des Autographs einschließlich ihrer charakteristischen Notation – etwa die Doppelbehalsung polyphon gedachter Strukturen, Querstriche durch Noten (die gebrochene Akkorde anzeigen) und die spezifische Balkensetzung Mozarts, die oft einzelne Noten von Gruppen ähnlicher Noten absetzt, um Phrasenstruktur und Akzentuierung zu verdeutlichen. Und auch für das Thema „Keil oder Punkt“ wird eine in meinen Augen überzeugende Lösung gefunden, die zudem im Vorwort diskutiert wird.


Wolfgang Amadé Mozart
Violinsonaten KV 454, 481, 526 und 547 / Variationen KV 359 und 360
Herausgegeben von Cliff Eisen
Edition Peters
EP 7579c





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